Veranstaltung liegt in der Vergangenheit.

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Veranstaltung liegt in der Vergangenheit.

Renaissance im Takt

Tänze und Tanzlieder von Josquin Desprez bis Michael Praetorius
live mit Publikum & digitale Veranstaltung
Samstag
12. Juni
20:00
Friedenskirche Sanssouci

Der Live-Stream zum Nachschauen

Einer der größten deutschen Komponisten feiert dieses Jahr runden Geburtstag, und dennoch ist sein Name nur Kirchenmusikern und Alte-Musik-Fans geläufig: Vor 450 Jahren geboren, bündelte Michael Praetorius das Wissen seiner Zeit in einer großen Musikenzyklopädie. Und sammelte die Tanzmelodien, die er am Hof von Wolfenbüttel den französischen Gästen abgelauscht hatte, in einer berühmten Sammlung, nach der bald darauf in ganz Europa getanzt wurde.

Das Ensemble Capella de la Torre, geleitet von Katharina Bäuml, führt auf historischem Instrumentarium mit viel Schwung durch Tänze des 15. und 16. Jahrhunderts. Und es zeigt sich: Nirgendwo in der Musik finden Freiheit, Ordnung und Schönheit so leichtfüßig zusammen wie im Tanz.

Einführungsgespräch online mit Carsten Hinrichs, 30 Min vor Vorstellungsbeginn live im Zoom

Nach der Aufführung: Katharina Bäuml live im Zoom-Interview

Besuchen Sie auch unsere virtuelle Künstlerkneipe »Zur Goldenen Palme« für einen gemütlichen Ausklang und Gespräche mit den Künstlern, gleich im Anschluss an das Live-Interview

Künstler

CAPELLA DE LA TORRE
Margaret Hunter
, Sopran
Birgit Bahr, Altpommer & Flöte
Falko Munkwitz, Posaune
Annette Hils, Dulzian
Martina Fiedler, Orgel
Frank Pschichholz, Laute
Peter A. Bauer, Percussion
Katharina Bäuml, Schalmei & Leitung

Programm

Anonym / Improvisation
O che nuovo miracolo

Josquin Desprez (um 1450-1521)
Tu solus qui facis mirabilia

Jean Japart (2. Hälfte 15. Jh.)
Il est de bonne heure né

Anonym
Basse Danse Aliot nouvelle

Josquin Desprez
In te Domine speravi

Niccolò Piffaro (um 1480 - um 1566)
Di lassar tuo divo aspetto

Anonym
Canto

Improvisation
Passamezzo

Bartolomeo Tromboncino (um 1470 - nach 1535)
Ostinato vo’ seguire

Michael Praetorius (1571-1621)
Bransle de la Torche

Traditionell / Praetorius
La bonne nouvelle

Michael Praetorius
Ballet des Coqs

Claude Lejeune (1528-1600)
Un gentil amoureux

Michael Praetorius
Ballet CCLXVIII

Jehan Chardavoine (1538-um 1580)
Pavane »Une jeune fillette«

Michael Praetorius
Gagliarde

Anonym / Praetorius
Si j’aime ou non, j’en dis rien

Michael Praetorius
Gavotte / Votre esprit recréatif

Aufgrund von Filmaufnahmen ist mit Sichteinschränkungen zu rechnen.
Einlass nur mit gültigen Corona-Negativ-Test, Impf- oder Genesenen-Nachweis gegen Vorlage eines amtlichen Ausweisdokuments.

< Download Gesangstexte (PDF)
 

Irdisch, himmlisch, göttlich: Musikfrühling zwischen Josquin und Praetorius

Zwei Jubilare gleich gilt es im heutigen Konzert zu feiern: Josquin Desprez mit seinem 500. Todestag und Michael Praetorius, dessen 450. Geburtstag und 400. Todestag in dasselbe Jahr fallen. Um 1450 wurde Josquin geboren, Praetorius starb 1621. Dazwischen liegt eine Zeit, die mit den Schlagworten »Renaissance« und »Reformation« prägnant genug und doch längst nicht erschöpfend beschrieben ist. Kolumbus & Co. entdeckten neue Welten, Kopernikus, Kepler und Galilei entwarfen neue Visionen des Weltalls, Johannes Gutenberg revolutionierte mit seinen beweglichen Lettern den Buchdruck und Ottoviano Petrucci führte diese neue Technologie 1501 auch in den Notendruck ein. Davon profitierten die musikalischen Evolutionen und Revolutionen dieser bewegten Zeit immens: Konnten sich doch die Kompositionen der besten Meister ebenso wie die populärsten Schlager und Modetänze nun weitaus schneller und effektiver auch über Ländergrenzen hinweg verbreiten.

Schon 1502 brachte Petrucci einen Band heraus, der ganz den Messkompositionen von Josquin Desprez gewidmet war, was dessen Ausnahmestellung als unumstrittener Meister der kunstvollen Vokalpolyphonie und beredsamen Textvertonung unterstreicht. Ihm hat auch Martin Luther höchste Bewunderung gezollt mit seinem vielzitierten Lob: »Josquin ist der noten meister, die habens müssen machen, wie er wolt; die anderen Sangmeister müssens machen, wie es die noten haben wöllen.« Josquins Motette Tu solus qui facis mirabilia könnte im Dienst des kunstsinnigen Kardinals Ascanio Sforza in Mailand entstanden sein, mit dem er dann nach Rom ging: Jedenfalls scheint italienische Musikerfahrung darin aufgehoben. Mit In te Domine speravi ist er (unter dem Namen Josquin d’Ascanio) dann auch gleich im 1. Band der Frottole vertreten, den Petrucci 1504 herausbringt.

Mehrstimmig gesetzt, aber in ihren vielfältigen Formen offen für kompositorischen und dichterischen Einfallsreichtum, war die Frottola das Genre der Wahl für gesellige musikalische Unterhaltung und erlebte damals einen Boom: Petruccis elf Frottola-Bücher gingen weg wie warme Semmeln. Der lateinische Titelvers ist auch in Josquins Frottola nur ein Einsprengsel: Man sang auf Italienisch und die Themen waren überwiegend weltlicher Natur, meist ging es natürlich um die Liebe. Wie auch in Niccolò Piffaros Frottola Di lassar tuo divo aspetto. Der Mann mit dem sprechenden Namen Nikolaus Pfeifer ging bei seinem Vater in die Lehre, der auch schon Pfeifer war und offenbar kein schlechter, denn er spielte bei den »pifferi e tromboni« (den Pfeifen und Posaunen) des Dogen von Venedig. Und zwar zusammen mit dem Vater von Bartolomeo Tromboncino, in dessen Namen die Posaune steckt. Der Filius war einer der prominentesten »Frottolisten« und schon in Petruccis 1. Band stark vertreten. Mit ihren fantasievollen Arrangements wandelt die Capella de la Torre auf den Spuren solcher damals an den Höfen und in den Städten omnipräsenten Bläserensembles: Denn auch die legten sich vornehmlich Vokalstücke für ihre Instrumente zurecht und trugen damit zu deren Popularisierung und Verbreitung bei.

Was für Italien die Frottola, war für den französischsprachigen Raum die Chanson: Ein chamäleonhaftes Vokalgenre in der Volkssprache, das keinen allzu strengen formalen Regeln unterlag und daher zum Experimentierfeld für Dichter und Komponisten wie geschaffen war. Dabei ergeben sich manche Berührungspunkte: War Jean Japart doch in den 1470er Jahren einer der bestbezahlten Sänger am Hof der Frottola-Hochburg Ferrara. Claude Lejeunes bezaubernde Chanson Un gentil amoureux kann vielleicht eine Anregung sein, sich näher mit diesem außergewöhnlichen Komponisten einzulassen, den der Avantgarde-Komponist Olivier Messiaen als einen der kreativsten Köpfe seiner Zeit bewunderte. Mit seinen Psalmvertonungen nach dem calvinistischen Genfer Psalter (»Hugenottenpsalter«), die 1699 auch in deutscher Übertragung gedruckt wurden, hat er weit über seine Zeit hinaus gewirkt. Mit ihm blitzt auch etwas vom gewaltgeladenen historischen Background der fulminanten Musikblüte auf: Als 1590 nach der Ermordung Heinrichs III. der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten einmal mehr eskalierte, konnte er sich gerade noch mit einer Sammlung unveröffentlichter Kompositionen aus der Stadt retten.

Dass man damals nicht allweil nur mehrstimmig sang, liegt auf der Hand. Nur aufgezeichnet und gedruckt wurden die einstimmigen Lieder selten. Darum ist Jehan Chardavoines 1576 veröffentlichte Sammlung der schönsten und hervorragendsten Chansons in Form von voix de ville eine Fundgrube für Musiker von heute. 190 davon hat er zusammengetragen: nicht etwa selber komponiert, sie waren schon im Schwang, zum Beispiel im Quartier Latin in Paris, dem Universitäts- und Studentenviertel, wo er wohnte. Er schrieb die Texte auf mit der Melodie, »nach der man sie gewöhnlich sang, damit ein jeder, wo immer er sich befindet, sie singen oder auf Instrumenten spielen könne«, wie er im Titel ausführlich erläutert. Une jeune fillette handelt von einem Mädchen, das gegen seinen Willen vom Liebsten getrennt und ins Kloster gesteckt wurde, wo es todunglücklich ist. Das Lied, seinen italienischen Wurzeln entsprechend auch als »La Monaca« oder »Monica« (Die Nonne) bekannt, hat als paneuropäischer Top-Hit und Evergreen unzählige Coverversionen gezeitigt, landete mit neuem Text in lutheranischen Gesangbüchern und spukt noch in Bachs Choral »Von Gott will ich nicht lassen« herum.

So unfassbar viel war passiert in der Musik der letzten hundert Jahre, dass ein gewisser Michael Schultze aus Thüringen befand, jemand müsse den State of the Art einmal zusammenfassend darstellen und derjenige sei er. Zuvor latinisierte er seinen Allerweltsnamen zum klangvolleren Praetorius. In seinem reich illustrierten Syntagma Musicum stellte er alle ihm bekannten Instrumente vor, unter dem schönen Titel Musae Sioniae veröffentlichte er eine zwanzigbändige Sammlung protestantischer geistlicher Musik und wollte auch die Musae Aoniae, die weltlichen Musen, ähnlich umfänglich würdigen. Der Tod rief ihn mit 50 von seinem ehrgeizigen Unterfangen ab. Aber einen Band schaffte er noch: Terpsichore, ein über 300 Stücke umfassendes Kompendium zeitgenössischer Tänze. Nicht nur französischer, obwohl diese den Löwenanteil ausmachen: Sie waren nicht nur am Hof seines fürstlichen Dienstherrn in Wolfenbüttel Mode, wo Praetorius viele Melodien vom Tanzmeister Antoine Emeraud und vom Geiger Pierre-Francisque Caroubel aus erster Hand bezog, um sie in kunstgerechte mehrstimmige Sätze zu verwandeln. Tänze aus dem Ballsaal sind ebenso dabei wie etwa ein Ballet des Coqs: Dieser »Hahnentanz« stammt gewiss aus einem der großen Hof-Ballette, in denen sich der Adel damals auch selbst auf der Bühne produzierte. Im Namen der Tanzmuse Terpsichore, bemerkt Praetorius im Vorwort, steckten ja die griechischen Worte für »Tanz« und »erfreuen« drin, und so wünsche auch er mit seinen Tänzen das Publikum zu erfreuen, nicht allein bei »Fürstlichen Taffeln, sondern auch bey ander ansehnlicher Leute [...] Hochzeiten, und dergleichen Frewden gelagen«. Oder wie heute im Konzert mit den Virtuosen der Capella de la Torre.

Babette Hesse

 

Die Mitwirkenden

CAPELLA DE LA TORRE

… ist stolz, sich zu den weltweit führenden Ensembles für Bläsermusik der frühen Neuzeit zählen zu dürfen. 2005 von der Oboistin und Schalmeispezialistin Katharina Bäuml gegründet, hat das Ensemble sein Publikum in nahezu tausend Konzerten begeistert, 20 CDs vorgelegt und sich so umfangreiche Erfahrung in der Musik des 14. bis 17.Jahrhunderts erspielt. 2016 mit dem ECHO Klassik als »Ensemble des Jahres« geehrt, errang es 2017 einen weiteren ECHO Klassik für die CD »Da Pacem – Echo der Reformation« (mit dem RIAS Kammerchor) und 2018 einen OPUS Klassik (Nachfolgepreis des ECHO) für »Serata Venexiana«. Beständig fließen aktuelle historische und musikwissenschaftliche Erkenntnisse in die Programmgestaltung ein, besonders wichtig ist die Arbeit mit Quellen und Originaltexten. Ein Herzensanliegen sind dem Ensemble seine Projekte für ein junges Publikum. Der Ensemblename ist als Hommage an den Spanier Francisco de la Torre zu verstehen, der mit seiner »Danza Alta« eines der wenigen aufgezeichneten Bläserstücke aus der Zeit um 1500 hinterließ. Aber auch wörtlich zu nehmen: Musizierten Bläsergruppen einst doch zu verschiedensten Anlässen vom Balkon oder eben »vom Turm« herab.

 

Margaret Hunter, Sopran

Die aus Neuengland stammende Sopranistin erhielt ihre Ausbildung in Boston, Oxford und an der Hochschule für Künste Bremen. Das Repertoire der vielseitigen Konzert- und Opernsängerin reicht vom 11. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Musik. Im Bereich der Alten Musik arbeitet sie mit so renommierten Ensembles wie dem Balthasar-Neumann-Chor & Ensemble, Weser Renaissance oder dem Freiburger Barockorchester. Seit 2014 ist sie immer wieder gern zu Gast bei Capella de la Torre, mit deren Instrumentalklang sich ihr leuchtkräftiger agiler Sopran aufs Schönste verbindet.  

 

Katharina Bäuml, Schalmei & Leitung

Die Münchnerin studierte erst moderne Oboe, dann Barockoboe und historische Rohrblattinstrumente an der Schola Cantorum in Basel und spezialisierte sich auf die Bläsermusik des 15. bis 17. Jahrhunderts. Herzstück ihrer Arbeit ist natürlich ihr Ensemble Capella de la Torre. Daneben widmet sie sich der zeitgenössischen Musik auf historischen Instrumenten: Die seit 2010 für das Duo Mixtura enstandenen Kompositionen waren u.a. beim Berliner Festival Ultraschall zu hören. Als Leiterin mehrerer Festivals und Konzertreihen bringt sie gern Musik der frühen Neuzeit mit Jazz zusammen. Zuletzt übernahm sie die Reihe »Musica Ahuse« in der Klosterkirche Auhausen, jährlich gastieren hier Spitzenensembles der Alten Musik. Sie unterrichtet in Berlin und bei Meisterkursen im In- und Ausland.

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