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Samstag, 21. Januar 2012 | 16.00 Uhr
Schlosstheater, Neues Palais von Sanssouci |
Ein Fest für Friedrich
MONTEZUMA

Sondervorführung zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen

65,- | 40,- | 27,-* | 16,-* EUR
* Plätze z. T. mit Sichteinschränkung
Diese Veranstaltung ist zum heutigen Zeitpunkt ausverkauft. Restkarten können Sie ab zwei Wochen vor Veranstaltungsbeginn telefonisch erfragen.



"Eine der besten Premieren der Berlin-Brandenburger
Opernspielzeit 2010"

(Kai Luehrs-Kaiser, rbb kulturradio)

Opera seria (1755) in drei Akten von
Carl Heinrich Graun (1704–1759)
auf ein italienisches Libretto von Giampetro Tagliazucchi,
nach einem französischen Entwurf
von Friedrich II. von Preußen

Montezuma - Florin Cezar Ouatu (Mezzosopran)
Eupaforice - Tehila Nini Goldstein (Sopran)
Erissena - Laila Salome Fischer (Sopran)
Tezeuco - Makoto Sakurada (Tenor)
Pilpatoè - Mark Chambers (Sopran)
Cortes - Paolo Lopez (Sopran)
Narvès - Gerald Thompson (Sopran)

KAMMERAKADEMIE POTSDAM auf historischen Instrumenten
Musikalische Leitung und Fagott: Sergio Azzolini
Regie: Geoffrey Layton
Ausstattung: Anna Eiermann
Dramaturgie: Micaela von Marcard

Eine Koproduktion der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci mit der KAMMERAKADEMIE POTSDAM

Am 8. November 1519 erreicht der Spanier Hernán Cortés das Ufer des Sees in dem Tenochtitlan, die Hauptstadt der Azteken liegt. Zwei Jahre wird erbittert um diese Stadt gekämpft, bei dem auch der Azteken-König Moctezuma den Tod durch seine eigenen Leute findet. Er hat mit den Spaniern kollaboriert. 237 Jahre später marschiert Friedrich II. in Sachsen ein. Der Siebenjährige Krieg bricht aus. Was haben diese Daten miteinander zu tun? 1755 findet die Uraufführung der Oper "Montezuma" von Carl Heinrich Graun in der Berliner Hofoper Unter den Linden statt. Libretto: Friedrich der Große.

Ein Monarch beschäftigt sich mit dem Untergang eines anderen Monarchen. Spiegelt sich der König also im Bildnis des fremden, fernen Königs, das er selbst erschafft? In der Tat: Friedrichs Figur des Montezuma verkörpert das Ideal eines aufgeklärten Herrschers, sanft ist er, großmütig mit seinen Untertanen, seiner Verlobten liebend zugewandt, friedfertig, ja, pazifistisch. Den Aggressoren, die sein Land und seine Herrschaft bedrohen, streckt er nicht nur die Hand entgegen, er beschenkt sie sogar mit Gold, statt sie zu bekämpfen. Daher ist er in den Augen des erfahrenen europäischen Feldherrn, der bereits die beiden Schlesischen Kriege hinter sich hat, auch ein Schwächling, ein Versager, der die Gefahr nicht richtig einschätzt. Ein solcher Herrscher, das ist die logische Konsequenz für Friedrich, muss untergehen. So wollte der preußische König nicht sein.

Utopie und Realpolitik, das ist die desillusionierende Feststellung des mächtigen Potentaten Friedrich II., klaffen weit auseinander. Die Geschichte um das vernichtete Aztekenreich ist ihm eine verklausulierte Rechtfertigung für den eigenen Angriffskrieg. Dies werden seine Zeitgenossen spätestens eineinhalb Jahre nach der Uraufführung des "Montezuma" in Berlin am 6. Januar 1755 verstanden haben. Ende August 1756 fällt der Preußenkönig in Sachsen ein, um einem geplanten Angriff der alliierten Nachbarstaaten, unter anderem Österreich, Russland und Frankreich, auf Preußen zuvorzukommen.
Ist Friedrich also nicht vielmehr ein Cortés?

"Liebste Schwester! Ich erlaube mir, Dir einen Mexikaner zu Füßen zu legen, der noch nicht ganz kultiviert ist. Ich habe ihm Französisch beigebracht; jetzt soll er Italienisch lernen. [...] Die Mehrzahl der Arien soll kein Dacapo erhalten; nur die zwei Arien des Kaisers und der Eupaforice sind dazu bestimmt." Was Friedrich der Große seiner Schwester Wilhelmine ankündigt und Carl Heinrich Graun in Noten setzt, ist nichts weniger als eine Reform der starren Form der italienischen Oper, wie sie in Deutschland vor allem durch Hasse, Händel und Graun selbst etabliert wurde. Die strenge Folge von Rezitativen und Arien wird aufgebrochen, wie auch das rhetorische A-B-A. Doch die Autoren des "Montezuma" übertreten auch das eiserne Gesetz der Gattung nach einem happy end, in dem der auftraggebende Monarch verherrlicht werden sollte. Wo zum Beispiel noch Vivaldi 20 Jahre zuvor ein unhistorisches lieto fine konstruieren musste, geht in Berlin das Aztekenreich als prächtiger Bühneneffekt in Flammen unter. Der Herrscher muss sich an keine Gesetze halten, auch nicht an die einer Gattung.

© Foto der Inszenierung von 2010: Monika Rittershaus
(siehe auch zweite Vorstellung am 22. Januar 2012)
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