Das Maskenspiel mit fernen Ländern und Kulturen ist so alt wie die Entdeckung der Erdteile. Das Exotische, das in Reiseberichten und mit ebenso kostbaren wie seltsamen Waren Europa erreicht, bringt die Fantasie zum Blühen. In sagenhafter Ferne locken den Kaufmann Gold und Gewürze, während vor dem Gelehrten neue Gestade auftauchen: fernöstliche Riesenreiche, von Weisheit regiert und in Frieden lebend. Ein fernes Paradies.
Drei Sphären beflügeln den europäischen Traum von der Weite: Das von den Missionaren bereiste ferne Asien, die von den Spaniern unterworfene Neue Welt und Afrika, der schwarze Kontinent. Während das Exotische – als Chinoiserie, Aztekengold und Arabeske – fast durchgängig Einfluss auf Mode, Architektur und Kunsthandwerk übt, setzt die musikalische Auseinandersetzung immer wieder Höhepunkte: Von den Türken-, Indien- und China-Opern im 17. und 18. Jahrhundert über die orientalischen Maskeraden, etwa in Rimsky-Korsakows »Scheherazade«, bis hin zu Debussys Spiel mit dem fernöstlichen Kolorit im 20. Jahrhundert.
Rund um die Opernproduktion von Carl Heinrich Grauns »Montezuma« nach einer Idee Friedrichs II. und die zahlreichen architektonischen Exotismen in Potsdam folgen die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2010 den Spuren, die die Sehnsucht nach der Ferne in der Musik von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert gezogen hat. Und schnell wird klar, dass Europa eigentlich nur seine Utopien in weite Ferne verlegt hat.